Gin, Genever & Wacholderbrand - Die Botanicals

Wacholderspirituosen sind seit Jahrhunderten beliebte alkoholische Getränke, die anhaltend und weltweit großen Zuspruch finden.

Es gibt viele Faktoren, die dazu beitragen, dass Gin & Co. so besonders sind, und einer der wichtigsten davon sind die Botanicals. Diese natürlichen Zutaten verleihen den Spirituosen nicht nur Ihren charakteristischen Geschmack und ihr Aroma, sondern können auch eine faszinierende Geschichte und Kultur hinter sich haben.

In diesem Blog-Beitrag werden wir uns näher mit einigen wichtigen Botanicals befassen und die verschiedenen Zutaten erkunden, die dazu beitragen, dass Gin & Co. so vielfältig und interessant sind.

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Botanical Gin - ursprünglich für medizinische Zwecke

Die Verwendung von Botanicals bei der Herstellung von Gin hat eine lange Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Wacholderbeeren, das wesentliche Botanical für alle Gin-Sorten, wurden traditionell für medizinische Zwecke verwendet und galten als Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten. Im 16. Jahrhundert wurde Gin in den Niederlanden erfunden, als destillierter Wacholderbrand als Heilmittel gegen die Pest eingesetzt wurde.

Ein Gin ohne Botanicals ist kein Gin

Was sind Botanicals ? In Anlehnung an den Begriff Botanik, was soviel wie Pflanzenkunde bedeutet, sind Botanicals Pflanzenstoffe respektive Pflanzengruppen. Dazu zählen Kräuter, Samen, Blätter, Wurzeln, Beeren, Früchte, Rinden, Fruchtschalen und Hülsenfrüchte. Auch Blumen und Blüten dienen der Veredelung und andere außergewöhnliche und exotische Aromen-Spender, die den Gin zu einer speziellen Besonderheit machen.

Die Vielfalt und Anzahl der möglichen Botanicals ist theoretisch nicht beschränkt. Tatsächlich werden in der Gin-Produktion mittlerweile fast 200 unterschiedliche Botanicals eingesetzt. Der Fantasie und Experimentierfreude der Gin-Produzenten sind keine Grenzen gesteckt. Laut EU-Verordnung aus dem Jahr 2008 muss der Wacholdergeschmack vorherrschen.

Gin Head - Geschmack, Aroma und die anhaltende Verfeinerung

Im Laufe der Zeit wurden zum Wacholder auch andere Botanicals wie Koriander, Zitronenschalen, Angelikawurzel und Kardamom in die Gin-Herstellung integriert, um den Geschmack und das Aroma des Getränks zu verfeinern und zu erweitern. Im 18. Jahrhundert erlebte Gin in England einen regelrechten Boom. Während dieser Zeit wurden Gin-Botanicals immer wichtiger und viele neue Zutaten wurden in die Herstellung von Gin integriert.

Die Verwendung von Botanicals bei der Gin-Herstellung wurde im 19. Jahrhundert weiter perfektioniert, als eine neue Methode namens “Gin Head” erfunden wurde. Diese Methode erlaubte es, die Botanicals in einer separaten Kammer über dem Destillierkolben aufzuhängen, wodurch sie ihre Aromen und Geschmacksstoffe freisetzen konnten, ohne den Destillationsprozess zu beeinträchtigen.

Heute ist die Verwendung von Botanicals bei der Gin-Herstellung zu einer Kunstform geworden. Viele Gin-Marken verwenden eine Vielzahl von Botanicals, um einzigartige Geschmacksrichtungen und Aromen zu kreieren, die sich von anderen Gins unterscheiden. Botanicals können auch regional oder saisonal variieren, was die Vielfalt und den Geschmack von Gin weiter erhöht.

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Porträts wichtiger Botanicals

Die Geschichte von Gin Botanicals ist natürlich eng mit der Geschichte von Gin selbst verbunden. Die Verwendung hat im Laufe der Jahrhunderte zu einer Vielzahl von einzigartigen und vielseitigen Gins geführt. Heute sind Gin und Botanicals beliebter und innovativer denn je zuvor. Es gibt eine unendliche Vielfalt von beidem, die die Kreativität und Experimentierfreude der Gin-Produzenten widerspiegeln. Hier ein Auszug wichtiger Botanicals:

Der gemeine Wacholder (Juniperus communis)

Der gemeine Wacholder ist die am meisten verbreitete Wacholderart. Die Beeren, die den botanischen Namen “Zapfen” oder “Scheinbeeren” tragen, benötigen drei Jahre, bis sie dunkelblau und reif werden. Im getrockneten Zustand sind sie im Geschmack fast süßlich, wohingegen bei der Verarbeitung in der Destillerie der charakteristische, herb-bittere Geschmack entsteht.

Der Koriander (Coriander/Coriandrum sativum)

Gleich hinter dem Wacholder ist der Koriander eine wichtige und beliebte Gewürzpflanze in der Gin-Herstellung. Selten fehlen die Koriander-Samen, denn sie untermalen die Geschmacks-Komposition. Der dezente Geschmack und die Zitrusnoten sind unverkennbar. Er entfaltet sowohl eine angenehme Frische als auch eine intensive Schärfe.

Angelika (Angelica/Angelica archangelica)

Bekannt auch als “Engelwurz”, ist Angelika in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel zu finden. Besonders bedeutend sind der würzige Geschmack und das Ankurbeln von Aromen anderer Botanicals. Im Samen, dem rübenförmigen Rhizom und in den Wurzeln sind sowohl ätherische Öle als auch bittere Geschmacksnoten vorhanden. Engelwurz im Gin sorgt für ein anhaltendes und intensives Geschmackserlebnis.

Veilchenwurz (Orris root/Iris florentina)

Das Rhizom der Schwertlilie, die unter anderem auch bekannt ist als Florentinische Iris, ist ein bewährtes Heilmittel gegen das schmerzende “Zahnen” bei Babys und kleinen Kindern. Die Schärfe der Veilchenwurz wird durch Trocknung milder. Im Gin entfaltet sich eine blumige Note. Aufgrund ihrer harmonischen Verbindung zu anderen Botanicals zählt das Rhizom der Veilcheniris zu den Standard-Botanicals.

Bohnenkraut (Savory/Sarureja hortensis)

Bohnen lieben Bohnenkraut. Der Gin mag ihn auch. Abstammend aus dem Mittelmeergebiet, bringt es würzige und pfeffrige Geschmacksnoten ein. Die Nuancen sind vergleichbar mit dem Thymian und Rosmarin.

Ingwer (Ginger/Zingiber officinale)

Die in den Tropen und Subtropen gedeihende Ingwer-Wurzel gehört zu den wichtigsten Botanicals. Der reichhaltige zitrusartige, fein-scharfe Geschmack harmoniert sehr gut mit Wacholder.

Kardamom (Cardamom/Elettaria cardamomum + Amomum subulatum)

Dieses aus Asien stammende Ingwergewächs ist eine beliebte Zutat. Die hauptsächliche Verwendung bei der Gin-Veredelung finden die Kapseln des Grünen Kardamoms. Bei der grünen Variante dominiert das leicht scharfe Zitrusaroma, während der schwarze Vertreter, der gewöhnlich über Feuer getrocknet wird, eine rauchig-erdige Geschmacksnote beisteuert.

Kubebenpfeffer (Kubeb/Piper cubeba)

Heimisch ist dieser Kubebenpfeffer auf Java und anderen indonesischen Inseln. Auf Grund seiner Herkunft wird er auch Java-Pfeffer genannt. Entgegen der Vermutung ist er nicht scharf und pfeffrig, sondern hat ein Eukalyptus ähnliches Aroma mit bitteren und zitrusartigen Komponenten.

Paradieskörner (Grains of Paradise/Aframomum melegueta)

Ebenso pfefferartig sind die Paradieskörner. Diese roten Samen wachsen an der westafrikanischen Küste und zählen zur Familie der Ingwergewächse. Bekannt auch unter den Namen Guinea-oder Meleguetapfeffer, sind sie weitaus weniger scharf als herkömmlicher Pfeffer. Ihr warmer herber Nachgeschmack erinnert an die afrikanische Sonne.

Lavendel (Lavender/Lavandula angustifolia)

Der echte Lavendel aus dem Mittelmeerraum, mittlerweile auch ansässig im kälteren Norden, ist ein Liebling der Brennmeister. Der blumige, dezent herbe und bittere Geschmack, erinnert in abgeschwächter Form an Rosmarin.

Mandel (Almond/Prunus/amygdalus)

Entgegen der allgemeinen Annahme ist die Mandel keine Nuss, sondern eine Steinfrucht. Für die Herstellung von Gin ist weniger die Süßmandel interessant, sondern die Bittermandel. Wie der Name bereits erkennen lässt, geht es um die bittere Nuance, aber nicht nur, denn diese Mandel hat einen besonderen Geschmack nach Marzipan.

Minze (Mint/Mentha)

Der Wacholder genießt die Gemeinschaft mit der Minze. Aromatisch kühl und belebend, durch das in der Minze enthaltene Menthol, haucht sie dem Wacholder eine frische Brise ein. Verschiedene Minzesorten bringen eine Geschmacksvielfalt von Apfel über Orange bis Basilikum mit sich.

Muskat (Nutmeg/Myristica fragrans)

Die getrockneten Früchte des Muskatnuss-Baums, die vordergründig in tropischen Regionen Asiens, Afrikas und Südamerikas beheimatet sind, haben eine raffinierte dezent herbe und erdige Geschmacksnote. Im Gin ist der Muskat eher weniger im Vordergrund, bildet aber eine feine Grundierung.

Nelke (Clove/Syzygium aromaticum)

Der Gewürznelkenbaum ist ursprünglich auf den Molukken, die auch als Gewürzinseln bekannt sind, weit verbreitet. Die braunen, getrockneten Knospen zeichnen sich durch intensive bittere Geschmackstöne aus. Begleitet werden diese von einer subtilen Schärfe und zarten, feinen Süße.

Rose (Rose/Rosa)

Die zarten Rosenblätter entfalten alle geschmacklichen Haupt- und Zwischentöne. Von süß bis säuerlich, von mild bis bitter, so entfalten die Rosenblätter nicht nur im Garten ihren Duft, sondern auch im Gin-Universum. Die Rose spielt bei der Gin-Herstellung eine wichtige Rolle. Ein großes Ansehen genießt der Rosenkavalier unter den Wacholderspirituosen: der Hendrick´s Gin.

Süßholz (Liquorice/Glycyrrhiza glabra)

Bei der Gin-Herstellung bekommt die Redewendung “Süßholz raspeln” eine ganz neue Bedeutung. Die tatsächlich geraspelte Wurzel der subtropischen Süßholzpflanze gehört zu den häufigsten Botanical-Vertretern. Beide, sowohl die Pflanze als auch ihr Produkt heißen Lakritze. Der aromatische Geschmack entsteht durch Anethol, der auch in Anis, Sternanis und Fenchel enthalten ist. Er verleiht nicht nur dem Gin eine besondere Note, sondern ist auch in Ouzo und Pastis präsent.

Zimt (Cinnamon/Cinnamomum cassia)

Der Geschmack von Zimt ist sehr charakteristisch. Sein etwas aufdringlicher Duft ist unverkennbar rau mit süßlichem Geschmack. Hierbei handelt es sich um die getrocknete Rinde des echten Zimtbaums, welcher ursprünglich aus Ceylon stammt

Zimtkassie (Cassia bark/Cinnamomum cassia)

In noch größerer Häufigkeit findet man im Gin die Kassie, die üblicherweise auch China-Zimt genannt wird. Ihrer Schale fehlt die süßliche Note und sie ist geschmacklich rauer und würziger.

Zitrusfrüchte (Citrus fruits/Citri fructus)

Seit jeher gehören Zitrusfrüchte zu den beliebten Botanicals und sind seit Jahren, hauptsächlich im New-Western-Segment, immer mehr in den Vordergrund getreten. Der Tanqueray Rangpur Lime Distilled Gin schillert mit Rangpur-Limetten. Verwendet werden die Schalen der Zitrusfrüchte, da diese viele ätherische Öle enthalten und sowohl saure als auch herb aromatische Komponente aufweisen.

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Die Glorreichen Zehn Botanicals

Der Vater aller Gins aus dem Hause Bombay Sapphire ist der Sapphire Gin von G & J Greenall. Das Geheimnis des Geschmacks kommt angeblich aus einer Rezeptur aus dem Jahre 1761. Zehn pflanzliche Zutaten prägen den Klassiker: Zitrone, Mandel, Süßholz, Wacholder, Schwertlilie, Angelika, Koriander, Zimtkassie, Kubenenpfeffer und Paradieskörner. Der Master of Botanicals Ivano Tonutti, wählt alle pflanzlichen Zutaten von Hand aus und kennt jeden Erzeuger persönlich. Diese edlen Botanicals machen den Edelstein mit dem indischen Namen weicher als andere Vertreter des London Dry Gins.

DIe Botanicals machen den Gin einzigartig

Heutzutage ist die Verwendung von Botanicals bei der Herstellung von Gin ein fester Bestandteil der Tradition und der Vorgabe des Getränks. Viele Destillateure suchen nach exotischen und ungewöhnlichen Botanicals, um einzigartige und interessante Geschmacksprofile zu kreieren. Gin-Botanicals haben dazu beigetragen, dass Gin zu einem der facettenreichsten und beliebtesten alkoholischen Getränk weltweit geworden ist.

…und deshalb ergibt am Ende alles einen Gin.

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