Gin, Genever & Wacholderbrand - welche Sorten gibt es?
Seit mehr als 300 Jahren ist der Gin mit seinen komplexen Aromen, unterschiedlichen Herstellungsverfahren, dem Wacholder und weiteren vielfältigen pflanzlichen Zutaten (Botanicals genannt) ein bevorzugtes Getränk und gehört mittlerweile weltweit zu den beliebtesten Spirituosen.
Zu den größten Gin-produzierenden Ländern gehören beispielsweise Deutschland, die Niederlande, Großbritannien, Spanien, Belgien, die USA und Frankreich.

Die Spirituosenverordnung der europäischen Union
Botanicals – die Quintessenz in der Flasche
Was glauben Sie, wäre ein Gin ohne Botanicals? Natürlich – ein Wodka. Das Wesentliche, was einen Gin zum Gin macht, sind die Aromen. Sie sind seine Seele und verleihen dem Gin sein Geschmacksbild. Die kunstvolle Harmonisierung kleinerer und größerer Anzahlen botanischer Inhaltsstoffe sind das Werk der Brennmeister. Die exakten Rezepturen bleiben das Betriebsgeheimnis jeder Destillerie.
Botanicals wie Zitrone, Veilchenwurz und Koriander werden häufig verwendet und feststeht: Wacholder ist in jedem Gin enthalten.
Der Wacholder ist der Hecht im Karpfenteich und hat dem Gin, wie schon dem Genever, seinen Namen verliehen. Ohne Wacholder würde man nie von einem Gin sprechen. Der Wacholdergeschmack hat die Vorherrschaft und alle anderen Botanicals müssen sich hintenanstellen. Im London Dry Gin ist die Wacholder-Geschmacksnote sehr kräftig, während in den New Western Gins andere charakteristische Aromen zu schmecken sind – natürlich, ohne dem Wacholder die Vorherrschaft zu entziehen.

Die Gin Sorten und Ihre Besonderheiten
London Dry Gin
Die am weitesten verbreitete Wacholderspirituose ist der London Dry Gin.
Die Marke ist keiner geschützten geografischen Herkunft unterlegen und muss nicht in der britischen Hauptstadt hergestellt werden. Vielmehr bezeichnet der London Dry Gin eine Herstellungsart mit Qualitätsvorgaben. Man könnte es als eine Art Reinheitsgebot bezeichnen.
Verbindliche Kriterien der EU sind folgende: Ein London Gin darf mit dem Zusatz “Dry” ergänzt werden, wenn eine erneute Destillation von Ethylalkohol aus landwirtschaftlicher Abstammung erfolgt ist. Der Alkoholgehalt muss mindestens 96% Volumen betragen und das Destillat ein Mindestalkoholgehalt von 70% Volumen. Das fertige Produkt muss mindestens 37,5% Volumen Alkohol enthalten und darf höchstens 0,1 Gramm Zucker pro Liter beinhalten. Weitere Vorgaben lauten, dass neben Alkohol und Aromen nur Wasser enthalten sein darf – es dürfen keine Farbstoffe zugegeben werden.
Den London Dry Gin kennzeichnet ein dominanter Wacholdergeschmack. Aufgrund des Zuckergehaltes ist es ein “trockenes” Getränk. Die ergänzenden Botanicals begleiten den Wacholdergeschmack, ohne ihn zu überdecken. Die Wacholderbeeren und Botanicals werden vor der zweiten Destillation zusammen beigefügt.
Auf der britischen Insel wird der London Dry Gin mit 47% Volumen angeboten. Auf dem europäischen Festland beträgt die Trinkstärke meistens 40% Volumen. In Verbindung mit Tonic wirken Gins mit höherem Alkoholgehalt geschmacklich oft ausgewogener.
Dry Gin
New Western Dry Gin
- Hendrick´s Gin mit seinem speziellen Salatgurken- und Rosenaroma
- Gin Mare mit seinen mediterranen Botanicals
- Saffron Gin mit seinen gehaltvollen Fenchelnoten
Old Tom Gin
Die Geschichte, wie Old Tom Gin entstand und zu seinem Namen gelangte, ist bis heute gewissermaßen im Dunkeln verborgen. Auf jeden Fall ist Old Tom Gin ein gesüßter Gin. Die Möglichkeit, dass die Bezeichnung Old Tom von einem Thomas Chamberlain geprägt ist, scheint plausibel, denn Herr Chamberlain war ein Meisterdestillateur in der Hodge´s Distillery in London.
Ein Mitarbeiter namens Thomas Norris beendete die Arbeit in der Firma und eröffnete einen Gin Shop. Er präsentierte in seinem Shop Chamberlains Gin und nannte ihn zu seiner Ehre “Old Tom Gin”.
In späteren Jahren wurden auf den Etiketten von Old Tom eine Katze sowie ein Fass abgebildet.
Laut Spekulation steht diese Abbildung in Zusammenhang mit einem Captain Dudley Bradstreet, welcher Ende der 1730er Jahre zu den Zeiten des “Gin Craze” ein Schlupfloch im Gesetz entdeckte: Nur dann wurde der illegale Gin-Handel verfolgt, wenn der Beschuldigte bei seinem Namen benannt werden konnte. Dudley Bradstreet hatte den Schalk im Nacken: Er befestigte das Bild einer leibhaftigen Katze an das Fensterkreuz und propagierte die frohe Botschaft: Da, wo die Katze hängt, gibt es Gin. Als Losungswort sollte man das Wort “Puss” (Kätzchen) sagen und als Antwort “Mew” (Miau) erhalten. Anschließend wurde mittels einer Schublade oder eines Rohres der Austausch von Geld und Ware vollzogen. Dies geschah, ohne dass sich Käufer und Verkäufer gegenseitig sahen. Sie blieben Unbekannte. Der Trick von Bradstreet ging in die Sprichwort-Geschichte als “Puss and Mew” ein.
Plymouth Gin
Navy Strength Gin
Die Black Friars Distillery brennt einen hochprozentigen Gin namens Navy Strength. Der Gin hat einen Alkoholgehalt von mindestens 57% Volumen. Diese Gin-Sorten zeichnen sich durch intensive und kräftige Aromen aus und sind sehr gut für die Zubereitung von Cocktails geeignet. Vorschriften für die Herstellung von Navy Strength gibt es, außer für den entsprechenden Alkoholgehalt, keine weiteren.
Die lange Tradition des Strength Gin existiert bei den Soldaten der Marine seit dem 17. Jahrhundert. Gin diente als Medizin und Mutmacher in den Kriegsjahren. Um zu vermeiden, dass die betrunkenen Seemänner den Gin über das Schießpulver verschütteten, fasste die Regierung den Beschluss, dass Gin einen Alkoholgehalt von mindestens 57% Volumen haben muss. Auf den Schiffen wurde ein Test mit dem Gin und Schießpulver durchgeführt. Gin wurde über das Schießpulver geschüttet. Entzündete es sich danach, so redete man von einem Gunpowder Proof Gin oder Navy Strength Gin.
Pink Gin
Die Bezeichnung Pink Gin basiert auf die Farbe und Inhaltsstoffe und fällt in keine Kategorie wie London Dry Gin oder Dry Gin.
Im Jahr 1824 entwickelte der deutsche Arzt Johann G. B. Siegert in Angostura (Venezuela) den “Angostura Aromatic Bitters”.
Als Mittel gegen tropische Magen-Darm Beschwerden gelangte die Medizin nach England und wurde den Seeleuten der Royal Navy gegen die Seekrankheit verabreicht. Die übermäßige Bitterkeit allerdings wurde zum Problem. Die Zugabe von Gin machte die Dosis Medizin schmackhafter und gab der Lösung zugleich eine rötliche Färbung.
Ende des 19.Jahrhunderts tranken die Menschen in Großbritannien und später weltweit die Mischung Angostura Bitter und Gin als Cocktail mit dem bekannten Namen: The Pink Gin.
Der klassische Cocktail entwickelte sich zu einem modernen Gin. Die rosa Farbe der Spirituose wird durch die Zutaten wie Erdbeere, Himbeere, Rhabarber, Traubenschalen, Rosenblätter oder roten Farbstoffen erzeugt. Diese roten Strömungen verleihen dem trockenen, Wacholder geprägten Gin eine weiche, süße Note.
Mittlerweile gibt es mehr als 150 rosa Gins auf dem Markt und dieses Wachstum setzt sich fort.
Sloe Gin
- Deutschland Als "Schlehenfeuer"
- Italien als "Bargnolino"
- Frankreich als "Prunelle"
- Spanien als "Pacharán"
Gently Rested Gin
Im 19. Jahrhundert war es in den Gin-Palästen üblich, dass englischer Gin in schottischen Whiskyfässern gelagert wurde. Das diente später als Inspiration für die Herstellung von Gently Rested Gin. Die einzigartige Würze, die durch die Lagerung in den Fässern entstand, ist bis heute ein wichtiges Erkennungsmerkmal und wird traditionell fortgeführt.
Die gemeinsame Dominanz von Koriander und Wacholder verleiht diesem besonderen Gin eine vollmundige Nuance. Pinien- und Pfefferaroma rundet den Geschmack ab. Der Alkoholgehalt beträgt 41,3% Volumen.
Seit über 150 Jahren brennt die Familien-Generation “Hayman´s of London” englischen Gin. Mit Leidenschaft widmet sich die Familie ihrer Brennkunst. Es wird original englischer Weizen, reines englisches Wasser und zehn Aroma-Zutaten verwendet. Keines der Produkte beinhaltet künstliche Aromastoffe oder Geschmacksverstärker. Botanicals werden seit dem 19. Jahrhundert bis heute aus denselben Ländern geliefert. Mit dieser Tradition ehrt die Familie “Hayman´s of London” die damalige “Gewürzstraße”, die Route auf der die Gin-Zutaten nach England gebracht wurden.
Cordial Gin
Zwischen der Entwicklungsphase des Old Tom Gins und des klassischen Dry Gins entstand ein weiterer Gin: Der Cordial Gin respektive Final Cordial Gin. Damalige Gin-Genießer waren süßliche Aromen gewohnt und so wurde der Cordial Gin nachgesüßt. Mit anderen Worten: Der Cordial Gin war die Premiumausgabe des Old Tom Gins.
Einer der bekanntesten Cordial Gins ist der Lime Cordial. Dabei handelt es sich um eine Art Gin-Likör.
Den Cordial kann man auch ganz bequem allein mischen: (Zutaten für ein Drink)
- 6cl Gin
- 4cl Limejuice
- 1cl frischer Limettensaft
Alle Zutaten in einen mit Eiswürfel gefüllten Shaker geben und etwa 15 Sekunden shaken. Abschließend in eine Martinischale abseihen. Cheers!
Ein Comeback feiern zwei Cordial Ginsorten – Hayman´s und Sipsmith´s mit einem Alkoholgehalt über 37% Volumen. Laut EU-Verordnung dürfen sie die Bezeichnung “Gin” führen.
Genever
Bereits am Namen ist zu erkennen, dass der Gin vom Genever abstammt. Genever leitet sich ab von dem lateinischen Wort für Wacholder: Juniperus. Der verkürzte Name von Genever ist Gin.
Die Niederlande benutzen zwei Schreibweisen: Genever und Jenever. Belgien hingegen nur Jenever.
Ausgangsbasis bei der Genever-Produktion bildet auch Neutralalkohol, der sowohl mit Wacholder als auch mit den Gewürzen Anis, Kümmel und Koriander aromatisch verbunden wird.
Ein gravierender Unterschied zum englischen Vorfahren besteht darin, dass vor der weiteren Verarbeitung der Alkohol mit Malzwein (Moutwijn) verschnitten wird. Roggen, Gerstenmalz und Mais werden auf 50% Volumen Alkohol destilliert und im abschließenden Destilliergang mit Gewürzen und Kräutern angereichert. Der so entstandene Moutwijn wird zur geschmacklichen Reifung in Holzfässer gelagert. Aus Moutwijn, Alkohol und den Aromen entspringen die verschiedenen Genever-Variationen.
Der Alkoholgehalt beim Genever ist geringer als beim Gin und der Zuckergehalt ist höher. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Wacholdernote beim Genever schwächer ist als bei seinem englischen Verwandten.
Steinhäger
In Ton und Steinkrüge wird der Steinhäger abgefüllt. Er stammt aus dem westfälischen Steinhagen und sein Alkoholgehalt beträgt 38% Volumen.
Die Marke Steinhäger ist seit 1989 durch die geografische Herkunftsbezeichnung geschützt.
Für den Steinhäger wird Getreidealkohol mit einem Destillat auf Grundlage vergorener Wacholderbeeren vermischt. Das Ergebnis, der “Lutter”, wird erneut destilliert und laut Regelung dürfen nur noch geringe Mengen Wacholder beigefügt werden.

Gin im heutigen Zeitalter - Absolut unabkömmlich
Mayfair London Dry Gin und der britische Gentleman
Eine von wenigen unabhängigen Brennereien ist die Londoner Myfair Distillery. Sie legt Wert auf eine erlesene Kundschaft und fühlt sich der gehobenen Klasse verpflichtet.
Traditionsbewusst richtet sich der Hersteller an die stilvollen Edelmänner, die es selbstverständlich auf den Britischen Inseln immer geben sollte. Die zeitlosen Gentleman-Regeln lauten:
- Unterhalte dich mit anderen Menschen und rede nicht über dich selbst.
- Sei zuverlässig und pünktlich.
- Halte die Tür für andere Menschen auf.
- Stehe auf, wenn eine Frau oder Mann deinen Raum betritt.
- Sei ein bescheidener Mensch und konzentriere dich auf deine Angelegenheiten.
- Steh deinen Kindern mit Respekt gegenüber und sei ein vorbildlicher und guter Vater.
- Sei immer ehrlich und höflich und kleide dich angemessen und sorgfältig.
Der ein oder andere Zeitgenosse könnte sicher aus diesen Grundsätzen seinen Nutzen ziehen.
Gruß vom Gentleman